„Margit sagt:“

Margit Carstensen sprach folgende Textpassage aus Margit sagt: in Attabambi Pornoland, beginnend bei „[…] also bitte, ich ändere die Zeitenfolge ab“:

Wenigstens einmal will man was spüren von seinem Sohn, das ist doch nicht zuviel verlangt, daß man sich wünscht, daß er heimkehrt, anstatt wegzugehen und Wunden zu lecken, die ihm gar nicht gehören, also bitte, ich ändere die Zeitenfolge ab, ich bin zwar nicht Gott, aber auf die Bratzeit habe ich immerhin noch Einfluß, ich begieße meinen Sohn mit dem ganzen Wundwasser, das er nicht mehr aufnehmen konnte, obwohl ihm die Zunge vor lauter Schlecken fast aus dem Mund gefallen wäre, ich öffne das Rohr, übergieße den Sohn, übergehe den Sohn, übergebe ihn an wen auch immer, er möchte, daß es Gott und die Engel sind, ich glaube eher, daß es meine Gäste sein werden, denen ich später, nach der Auferstehung des Fleisches, ich sehe es schon deutlicher vor mir als Sehende es sehen könnten, obwohl ich keine Seherin bin, ja, meinen Gästen werde ich ihn später vorsetzten. Hoffentlich kommt wer, hoffentlich kommen möglichst viele, damit ich mich als Märtyrermutter im Fernsehn auch anständig zeigen kann, denn so anständig wie eine Märtyrermutter ist ja niemand.

aus: Elfriede Jelinek: Margit sagt:. In: Programmheft des Schauspielhauses Zürich zu Christoph Schlingensiefs Attabambi Pornoland, 2004.

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