André Wagner über „Bitte liebt Österreich“

Als Schauspieler, der viele Jahre an deutschsprachigen Theatern gearbeitet hat und arbeitet, und als Privatperson – wenn ich das mal jetzt voneinander trenne -, sind Christoph Schlingensief und Elfriede Jelinek die Künstler ihrer Generation, die politisch so nah an den jetzigen Problemen der Gesellschaft dran sind wie kaum jemand anderer.
Sie sind die, die denjenigen eine Lobby, eine Aufmerksamkeit geben, die sonst keine bekommen, wie Sozialhilfeempfängern, Arbeitslosen, Asylbewerbern.
Das Inhaltliche steht bei beiden im absoluten Vordergrund, und die Form ist das Mittel, um es am besten zur Geltung zu bringen. Beispiel dafür: Elfriede Jelinek sieht ihre Texte als Material, mit dem die Inszenierenden umgehen, und nicht als Absolutum, bei dem es keinen Strich geben darf. Christoph Schlingensief fand bei der Aktion das Inhaltliche wichtig und nicht die Perfektion in der Äußerlichkeit. Anders gesagt: Ich hatte nie Angst, mich zu versprechen oder hängen zu bleiben. Ich wollte einzig etwas erzählen. Das finde ich als Schauspieler sehr selten. Das ist aber für mich das Ursprüngliche, warum man sich auf eine Bühne stellt.
Beide sind sehr nah am Theaterprozess dran, am Praktischen. Und: Beide sind sehr wichtig für das subventionierte Theater, denn sie geben und gaben wichtige politische Impulse. Denn dafür ist dieses Theater ja da: politisch zu sein. Gleichzeitig war für beide das System des subventionierten Theaters wichtig, um eine solche Breitenwirkung zu erzielen, um Strukturen vorzufinden, die ermöglichen, andere Künstler zu finden, mit denen man das umsetzen kann.

Der Schauspieler André Wagner war bei der Aktion Bitte liebt Österreich – Erste österreichische Koalitionswoche das Double von Christoph Schlingensief. Er war auch im Container anwesend, als Jelinek mit den Asylwerbern Ich liebe Österreich verfasste.

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Über Elfriede Jelinek-Forschungszentrum

Blog-Redaktion
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