Elfriede Jelinek über Christoph Schlingensief

Das Großartige an Schlingensief, der derzeit gerade dafür gemobbt wird, dass er keinen „Skandal“ liefert, den weder er noch ich je angekündigt haben, ist: Die Art, wie er mit dem Text umgeht, indem er das meiste davon einfach weglässt, bringt gleichzeitig etwas ganz Neues hervor, das ich selbst noch nicht durchschaue – ich weiß einfach nicht, wie er es macht, ich sehe es zwar, aber ich sehe nicht, wie es gemacht ist (eins meiner Kriterien für bedeutende Kunst). Die Sprache, die ja bei mir das Wichtigste ist und in einem kompositorischen Verfahren zu weiten Textflächen amalgamiert wird, taucht gerade bei Schlingensief, der sie auf weite Strecken unter Wasser drückt, bis sie zu spucken und zu treten beginnt, immer wieder auf.

aus: Ulrich Weinzierl: Ich bin eine Wagnerianerin. In: Die Welt, 28.2.2004.

Advertisements

Über Elfriede Jelinek-Forschungszentrum

Blog-Redaktion
Dieser Beitrag wurde unter JELINEK/SCHLINGENSIEF/BLOG veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s